Über die Ostertage hat es mich nach Hamburg gezogen – mit der Kamera im Gepäck und der Vorfreude auf viele spannende Motive, die überall im Stadtbild versteckt sind. Und die Suche sollte wieder einmal erfolgreich sein - und obendrein gibt es auch noch ein kleines Learning, das ich gern mit dir teilen möchte.
Der Auftakt - grauer Himmel, intensive Farben
Streetfotografie bedeutet zwar auch, Motive zu suchen, vor allem aber, sie gewissermaßen geschehen zu lassen. Sie passieren ständig neu und innerhalb von Minuten ist eine Szenerie unter Umständen ganz anders, als sie es vorher war. Hamburg war wieder eine Fundgrube verschiedenster – mal leise, mal lebendig, mal überraschend.
Der erste Halt führte mich in die Parkanlage Planten un Blomen. Die Kirschblüte stand in zartem Rosa vor dem (leider) grauen Himmel. Der Fernsehturm ragte an einigen Stellen hinter den Zweigen der Bäume auf – ein Kontrast aus Natur und Stadt, Weichheit und Struktur. Das Licht war gedämpft, zurückhaltend und genau darin lag eine besondere Ruhe. Kein spektakulärer Auftakt, sondern ein stilles Ankommen.
Erst Ruhe, dann der Trubel
Ganz anders dann am Samstag der Flohmarkt "Flohschanze" in St. Pauli. Ein Ort voller Geschichten – oder zumindest ihrer Fragmente in Form allerlei Kuriositäten. Zwischen alten Schallplatten, vergilbten Büchern und seltsamen Fundstücken lag eine gewisse Zeitlosigkeit in der Luft. Menschen stöberten, verhandelten, lachten. Für die Kamera eröffnete sich hier ein Spiel aus Details und Begegnungen, aus Zufälligkeit und Charakter.
Ein Perspektivwechsel folgte auf dem Dach des Luftschutzbunkers in St. Pauli. Bei einer gefühlten Windstärke 10 fiel der Blick auf den Dom – dieses eigenartige Nebeneinander aus Jahrmarkt, Geschichte und Alltag. Familien und Freundesgruppen trotzten dem Wetter zwischen Sturm und Sonne. Bewegung, Emotion, Gemeinschaft – alles verdichtete sich in wenigen Augenblicken.
Das unvermeidliche Learning
Ein wiederkehrendes Motiv meiner Tage in Hamburg waren die U-Bahnen. Fast beiläufig zunächst, dann immer bewusster. Der größte fotografische Lerneffekt dieser Reise lag genau hier: mit einer Verschlusszeit von 1/15 Sekunde ließ sich die Dynamik der einfahrenden Züge einfangen – scharf genug, um die Umgebung im Fokus zu behalten und doch mit genau der richtigen Unschärfe, um Bewegung spürbar zu machen. Bei ohnehin recht weitwinkligen Brennweiten werden die Fotos auch aus der Hand immer noch insgesamt ausreichend scharf. Probiere es unbedingt mal aus! Der Effekt ist sehr gut reproduzierbar. (Der Dank für den Hinweis, diese Belichtungszeit einfach mal auszuprobieren, geht hierbei an David Dorr ;) )
Und nochmal der Blick von oben - die Elbphilharmonie
Die Elbphilharmonie bot schließlich einen Kontrast aus Architektur und Menschenstrom. Linien, Glas, Weite – und dazwischen Besucher, die sich ihren Weg suchen. Beim Verlassen dann ein unerwarteter Moment: Eine Motorradgruppe, verkleidet in Osterhasen-Kostümen, verteilte kleine Geschenke an Kinder. Ein flüchtiger, fast surrealer Augenblick – und gleichzeitig der wohl eindrücklichste des Wochenendes. Genau diese Momente sind es, die Streetfotografie für mich so besonders machen: ungeplant, lebendig, echt.
Zum Abschluss stand dann noch ein Spaziergang entlang der Landungsbrücken auf dem Zettel. Keine großen Inszenierungen, sondern Alltag in seiner schönsten Form. Menschen im Gespräch, ein kurzer Blick aufs Wasser, das Kommen und Gehen der Fähren. Szenen, die leicht übersehen werden – und gerade deshalb so viel erzählen.
Ein Abschlussgedanke - Jagen oder Angeln?
Beim Verfassen dieses Beitrags kam mir ein Gedanke aus dem ohnehin sehr empfehlenswerten Podcast „Momente deiner Geschichte“ von Benedikt Brecht in den Sinn (konkret war es Folge 186: "Subjektbezogene Straßenfotografie mit dem Sigma 30mm 1.4"): Es gäbe zwei Typen von Streetfotografen – Jäger und Angler. Kurz zusammengefasst: Die Jäger sind ständig in Bewegung, auf der Pirsch nach besonderen Situationen. Die Angler hingegen suchen sich eine spannende Szenerie und warten geduldig, bis die passende Person durch ihr Bild läuft. Ein Bild, das mir im Rückblick auf die Fotos durch den Kopf ging – und in dem ich mich auch irgendwo zwischen beiden Polen einordnen konnte. Bei der Streetfotografie bin ich die meiste Zeit ein Jäger auf der Pirsch, der manchmal einfach gern die Geduld hätte, bei einer spannenden Lichtstimmung nach dem perfekten Moment zu "angeln".
Hamburg war an diesem Osterwochende wieder einmal reich an Motiven: kleine Beobachtungen, mal banal, mal erfrischend deplatziert. Und vielleicht ist genau das die Essenz von Streetfotografie: nicht das Perfekte zu suchen, sondern das Echte zu sehen, es zu dokumentieren.
Wie sieht es bei dir aus - bist du Jäger oder Angler, wenn du die Kamera in der Hand hast?
Bis zum nächsten Mal und bis dahin eine schöne Zeit!
Felix
HEIMATLICHT:MV






























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